Hallo liebe Leser,
Durch das Thema Frauenquote geraten nun seit einiger Zeit immer mehr Arbeitgeber in Deutschland unter Druck und auch international ist die Gleichstellung der Frau, bzw. Frauen in Führungspositionen ein Punkt, der die Gemüter bewegt und die Politik beeinflusst. Sehr viele Unternehmen haben sich eine freiwillige Frauenquote bereits auf die Fahne geschrieben und werben damit, wie besonders gut Frauen bei Ihnen als Arbeitnehmer aufgehoben sind. Unabhängig davon, ob nun eine Frauenquote richtig oder falsch ist, ist dieser Trend meiner Meinung nach eine positive Entwicklung. Ich bin überzeugt, dass sich die eine oder andere Frau – aber auch so manch ein Mann – positiv davon beeinflussen lässt oder wenigstens einmal intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Aber nun einmal zurück zu dem Artikel.
Die Verfasserin, Frau Professor Renate Köcher führt zunächst an, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen in den letzten Jahren gestiegen ist – unabhängig davon, ob unsere Wirtschaft nun „frauenfreundlich“ ist oder nicht. In Ostdeutschland sollen es mittlerweile ganze 76% sein, in Westdeutschland gut 70% der Frauen. Zum Vergleich: 1980 waren es im Westen nur die Hälfte der Frauen. Und auch die Anzahl der weiblichen Hochschulabsolventen ist seit Mitte der neunziger Jahre gestiegen, und zwar von 41 auf 51%.
Hohe Abschlussquoten VS. Idealvorstellung
Scheinbar sind es jedoch die unterschiedlichen Lebensentwürfe, durch die die Statistiken von Berufstätigen eine andere Verteilung aufweisen als die der Absolventen. So wollen laut Köcher von den nichtberufstätigen Müttern, die Kinder unter 14 Jahren haben, über 40 % gerne (wieder) einem Beruf nachgehen, aber nur sehr wenige Frauen haben Interesse an einer Vollzeitbeschäftigung. Die passende Statistik, die Köcher zitiert, ist vom Institut für Demoskopie Allenbach und zeigt die Rollenideale von Frauen. Nach dieser sind es nur 13% der Frauen, die sich in der Rolle der „vollberufstätigen Frau ohne Kinder“ am wohlsten fühlen würde. Weitere 18% halten eine Vollzeitbeschäftigung als Mutter als erstrebenswert. Hausfrau und Mutter ist eine Rolle, mit der sich laut Statistik nur noch 14% anfreunden können und ein weiteres Prozent würden sich am wohlsten fühlen, „nur“ Hausfrau zu sein. Insgesamt bleiben aber ganze 59% der Frauen, die das Ideal der Mutter in Teilzeitbeschäftigung hegen. Eine enorm große Zahl, würde ich sagen, die auch weitere Fragen aufwirft: Sind Frauen so stark darauf geeicht, Mutter zu werden und dann auch diese Rolle so gut, bzw. zeitintensiv wie möglich nachzugehen? Ist es überhaupt möglich, Familie und Beruf gut miteinander zu vereinbaren? 63% der Deutschen allgemein und sogar 72% der Frauen glauben, dass Letzteres nicht der Fall ist.
Alles eine Frage der traditionellen Rollenverteilung?
Der Wunsch vieler Frauen, als Mutter einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen, gründet laut Köcher nicht nur in der Sorge, sich selbst zu überlasten, sondern vielmehr darin, der Rolle als Mutter nicht gerecht werden zu können und die Kinder zu vernachlässigen. Zudem verdächtigt laut Köcher ein Großteil der Bevölkerung vollzeitbeschäftigte Mütter, ihren Kindern nicht gerecht zu werden oder diesen gar zu schaden. Interessant daran ist, dass dies angeblich in erster Linie für Westdeutschland gilt. In den ostdeutschen Bundesländern scheint man viel eher damit vertraut zu sein, dass Mütter vollzeitbeschäftigt sind und somit steht man diesem Lebensentwurf weniger skeptisch gegenüber. Ähnlich ist es in Frankreich, wo man den optimalen Zeitpunkt, Kinder in eine Betreuungseinrichtung zu geben, sogar auf unter ein Jahr schätzt. In Westdeutschland wird eine Ganztagsbetreuung überhaupt von bloß 24% als positiv bewertet.
Kultur, Kultur, Kultur
Einstellungen wie die obigen sind in vielerlei Hinsicht kulturell bedingt. Aber dieser Punkt wird in der derzeitigen Diskussion um die Frauenquote viel zu oft übergangen. Diese Ansicht hat auch die Verfasserin des Artikels und fragt zurecht, ob ein Land wie das unsere, in dem derartig wenig daran geglaubt wird, dass Frau sowohl eine gute Mutter sein kann als auch berufstätig in einer Vollzeitbeschäftigung, in der Lage ist, dementsprechende Maßnahmen ergreifen kann. Diese wären nämlich notwendig, um Frauen die Wahl, bzw. den Weg einfacher zu machen.
Wieso auch alles ändern?
Viel schwerer als eine einzelne Angewohnheit oder eine Handlung zu ändern ist es, in Gesellschaften tief verwurzelte Traditionen zu ändern. Eine davon ist das recht traditionelle Rollenbild von Mann und Frau. Natürlich fanden in den letzten Jahren Veränderungen statt, die es Frauen ermöglichten, ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen und die es Männern einfacher machen, beispielsweise selbst eine Babypause zu nehmen.
Bis eine vermeintliche „Rabenmutter“, die ja nur arbeitet an Ihre Karriere denkt und ihre Kinder vernachlässigt, keine mehr ist, müssen Denkweisen und Ideale über Bord geschmissen werden. Aber Altes, Bewährtes zu ändern, bedeutet Aufwand. Den aber scheut der Mensch grundlegend erst einmal.
Eine Frauenquote einzuführen könnte demnach in manchen Bereichen sinnvoll sein. Grundlegend aber sitzt das Problem tiefer; nämlich in unseren Köpfen und in unseren traditionell geprägten Idealen. Da wundert es mich auch nicht, dass laut Köcher nur wenige etwas mit der Diskussion um die Frauenquote anfangen können und auch dass der Großteil der Bevölkerung keine Schwierigkeiten mit der unterschiedlichen Präsenz in manchen Branchen haben.
Was aber denkt Ihr zu dem Thema? Und glaubt ihr, Kinder und Karriere lassen sich gut miteinander vereinbaren?
Ich hoffe auf reges kommentieren und diskutieren!
Sabrina Schmalisch









